Daimler im Ausstand

Bundesweit Proteste gegen ?Horrorkatalog? beim Stuttgarter Autobauer.

Erpressung zur?ckgewiesen ?Jetzt haben sie den Bogen ?berspannt.? Dies war die Stimmung der weit ?ber 60 000 Daimler-Besch?ftigten, die am Donnerstag in allen bundesdeutschen Werken des Autokonzerns w?hrend der Arbeitszeit gegen das vom Management vorgelegte K?rzungsprogramm protestierten.

Allein im baden-w?rttembergischen Sindelfingen machten 20 000 Metaller ihrem Unmut Luft. Nahezu die gesamte Belegschaft des Werks, der mit der Verlagerung der C-Klasse-Fertigung nach Bremen und S?dafrika gedroht wird, beteiligte sich an der Aktion. Auf der Kundgebung verwahrte sich der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Erich Klemm gegen ?diesen Versuch einer knallharten Erpressung?. ?Nicht mit uns - diese Belegschaft kann sich wehren?, rief er. Da? dies keine leere Drohung ist, zeigten auch die Daimler-Arbeiter aus Mettingen. 2 000 von ihnen machten die vierspurige B 10 nach Untert?rkheim dicht, wo sie an einer zentralen Kundgebung mit insgesamt 10 000 Kollegen teilnahmen. Der Platz vor dem Untert?rkheimer Werk war ?so brechend voll wie noch nie in der Geschichte?, erz?hlte die Betriebsr?tin Christa Hourani aus der Stuttgarter Zentrale des Konzerns im Gespr?ch mit junge Welt. Neben Solidarit?tsdelegationen anderer Metallbetriebe beteiligten sich auch Gewerkschafter aus dem ?ffentlichen Dienst, Erwerbsloseninitiativen und Aktionsgruppen prek?r Besch?ftigter an dem Protest. Nach Kundgebungsende sei ?niemand mehr ans Band gegangen?, berichtete Betriebsrat Tom Adler gegen?ber jW. ?Die Fabrik vibriert?, freute sich der Gewerkschafter. ?Viele Leute sagen: Gehen wir doch gleich eine ganze Woche raus - dann ist endlich Ruhe?, beschrieb er die Stimmung unter seinen Kollegen.

Diese Wut erkl?rt sich aus dem ?Horrorkatalog?, mit dem die Autobauer in Untert?rkheim und anderswo konfrontiert sind: Unbezahlte Verl?ngerung der Arbeitszeit, K?rzung des Weihnachtsgeldes, zuschlagsfreie Mehrarbeit bis zu 100 Stunden j?hrlich, Ausweitung der Leiharbeit, k?rzere Taktzeiten in der Montage, Samstag als Regelarbeitstag, Streichung von Pausen - das sind nur einige der Ma?nahmen, mit denen die Konzernleitung eine halbe Milliarde Euro auf Kosten der Besch?ftigten einfahren will. ?Das ist ja wie in S?dafrika?, emp?rte sich ein Arbeiter auf der Kundgebung vor dem Berliner Werk, an der sich etwa 1 000 Besch?ftigte beteiligten. Der dortige IG-Metall-Vertrauensk?rperleiter Willi K?nig zeigte sich gegen?ber jW sicher, ?da? die Daimler-Kollegen bundes- und auch weltweit zusammenhalten werden?. Schlie?lich kenne man ?das Spiel mit der Standorterpressung? schon seit Jahren. ?Wir lassen uns nicht spalten?, war dann auch allenthalben zu h?ren. Da? das auch f?r die Bremer Belegschaft gilt, zeigte diese durch eine Arbeitsunterbrechung w?hrend der Fr?hschicht, bei der sich 5 000 Arbeiter beim Betriebsrat ?ber den Stand der Verhandlungen ?erkundigten?.

Neben den genannten K?rzungen will der Konzern laut Ute Hass, Betriebsratsvorsitzende in Berlin, das 2003 vereinbarte Entgelt-Rahmenabkommen (ERA) zur Vereinheitlichung der Entlohung von Arbeitern und Angestellten ?zur Kostensenkung mi?brauchen?. Obwohl IG Metall und Unternehmerverband bei der Umsetzung von ERA Kostenneutralit?t vereinbart hatten, will der Konzernvorstand einem Gewerkschaftsflugblatt zufolge nun ?das Entgeltniveau ?ber alle Besch?ftigtengruppen hinweg deutlich absenken?. F?r die heutige Belegschaft k?nnten die L?hne in den kommenden Jahren um bis zu zehn, f?r zuk?nftige Besch?ftigte um bis zu 20 Prozent sinken, rechnet die IG Metall vor.

Die Arbeiter bei Daimler sind offenbar fest entschlossen, diesen ?Generalangriff? ihrer Konzernspitze zur?ckzuschlagen. Immer wieder verweisen sie auf den Kampf um die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall 1996, der durch spontane Massenstreiks der Daimler-Belegschaften im S?dwesten gewonnen werden konnte. ?Solche Aktionen sind anscheinend die einzige Sprache, die der Vorstand versteht?, meinte K?nig. Der gro?en Bedeutung ihres Kampfes sind sich die Aktivisten bei Daimler jedenfalls bewu?t. ?Siemens hat den Anfang gemacht. Wenn der Damm jetzt auch bei Daimler bricht, werden Zulieferer und alle anderen Branchen in dieses Fahrwasser geraten?, prophezeite K?nig. Entsprechend gro? war die Solidarit?t anderer Belegschaften und Gewerkschafter. ?Ihr seid das Z?nglein an der Waage?, hei?t es denn auch in einem Schreiben der Besch?ftigtenvertreter bei MTU Friedrichshafen. Selbst aus dem brasilianischen DaimlerChrysler-Werk in S?o Paulo kam eine Solidarit?tsbekundung. ?Wir m?ssen uns wehren gegen diese Logik, nach der irgendwer immer noch billiger sein wird?, lie?en die Metallgewerkschafter Brasiliens wissen, die ebenfalls am Donnerstag eine Solidarit?tskundgebung durchf?hrten.

Quelle: Junge Welt

Kommentar

In diesen Tagen ist das Aufkommen von Klassenk?mpfen dieser Art nichts Ungew?hnliches - wenn doch auch in diesem Umfang nicht h?ufig. Es zeigt sich jedoch, dass die alte Arbeiterbewegung wie eh und je das Ruder in der Hand h?lt. Streiks, Demos alles von oben organisiert. Die b?rgerlichen Gewerkschaften erf?llen also einmal mehr ihren Zweck Proteste und Unmut zu b?ndeln, aber auch zu kanalysieren um zu verhindern das aus diesem konkreten Klassenkampf ein revolution?rer Funkte oder gar Akt entsteht. Es gibt keine Selbstbewegung der Arbeiter und wo es sie gibt wird sie eingeschr?ngt und abgeschw?cht.
Die Vergangenheit hat es gelehrt und auch die Zukunft wird es lehren: auf dieser Basis ist kein Klassenkampf zu Ende zuf?hren, er wird versinken, um sp?ter -hoffentlich- mit neuer St?rke wieder hervorzutreten. Der Protest zeigt also deutlich das der Unmut w?chst die Kraft der einzelnen Arbeiter als ganzes jedoch noch zu Schwach ist um sich von den Gewerkschaften und Parteien zu l?sen um den Kampf endlich eigenst?ndig und selbstbestimmt zu f?hren.
18.7.04 10:36







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